Katholisch oder evangelisch? Kirchen erkennen

Von außen sind viele Kirchen kaum voneinander zu unterscheiden. Erst der Blick ins Innere, auf die Ausstattung und auf die Bezeichnung des Gebäudes gibt Hinweise darauf, ob es sich um eine katholische, evangelische oder eine andere christliche Kirche handelt. Wer eine Kirche für eine Feier, einen Gottesdienstbesuch oder eine Besichtigung sucht, sollte die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale kennen.

Merkmale im Innenraum

Der Innenraum verrät die Konfession meist deutlicher als die Fassade. In katholischen Kirchen findet sich fast immer ein Tabernakel, ein verschließbarer Aufbewahrungsort für die geweihten Hostien, oft durch ein rotes Ewiges Licht gekennzeichnet. Typisch sind außerdem Heiligenfiguren, Marienbilder, ein Beichtstuhl sowie Weihwasserbecken an den Eingängen. Häufig gibt es Seitenaltäre und einen ausgeprägten Bilderschmuck.

Evangelische Kirchen sind in der Regel schlichter gestaltet. Die Kanzel und das Wort stehen im Mittelpunkt, weshalb die Kanzel oft betont platziert ist. Heiligenfiguren, Beichtstühle und Weihwasserbecken fehlen meist. In lutherischen Kirchen können jedoch durchaus ein Altar, ein Kruzifix und Bilder vorhanden sein, während reformierte Kirchen deutlich strenger auf bildliche Darstellungen verzichten. Diese Unterschiede zwischen lutherisch und reformiert sind regional verschieden ausgeprägt.

Bezeichnung und Patrozinium

Der Name eines Gotteshauses gibt oft einen Hinweis. Kirchen, die nach Heiligen benannt sind, etwa St. Martin, St. Marien oder St. Georg, sind häufig katholisch, weil das Patrozinium, also die Weihe an einen Schutzpatron, in der katholischen Tradition verankert ist. Allerdings tragen auch viele evangelische Kirchen alte Heiligennamen, weil sie vor der Reformation errichtet wurden und den Namen behielten. Bezeichnungen wie Christuskirche, Erlöserkirche, Gnadenkirche oder Auferstehungskirche deuten dagegen eher auf eine evangelische Gemeinde hin.

Auch der Begriff für die kirchliche Einheit unterscheidet sich: Katholisch spricht man von Pfarrei oder Pfarrgemeinde innerhalb eines Bistums, evangelisch von Kirchengemeinde innerhalb einer Landeskirche. Wer die Trägerangabe eines Gotteshauses kennt, kann daraus die Konfession ableiten.

Gottesdienst und Verständnis

Ein wesentlicher Unterschied liegt im Verständnis des Gottesdienstes. Im Zentrum der katholischen Messe steht die Eucharistiefeier, die als Vergegenwärtigung des Opfers Christi verstanden wird. Der evangelische Gottesdienst betont die Predigt und die Auslegung der Bibel; das Abendmahl wird nicht in jedem Gottesdienst gefeiert. Die Zahl der Sakramente unterscheidet sich ebenfalls: Die katholische Kirche kennt sieben Sakramente, die evangelischen Kirchen anerkennen Taufe und Abendmahl.

Unterschiede zeigen sich auch in der Kirchenleitung. Die katholische Kirche ist hierarchisch mit dem Papst an der Spitze organisiert, es gibt Priester, die zölibatär leben, sowie Bischöfe und Kardinäle. Die evangelischen Kirchen kennen dieses Amtsverständnis nicht; Pfarrerinnen und Pfarrer dürfen heiraten, und Frauen können das Pfarramt übernehmen. In der katholischen Kirche ist die Priesterweihe Männern vorbehalten.

Weitere christliche Gotteshäuser

Neben katholischen und evangelischen Kirchen gibt es weitere christliche Gemeinschaften mit eigenen Gotteshäusern. Orthodoxe Kirchen fallen durch eine Ikonostase auf, eine mit Ikonen geschmückte Bilderwand, die den Altarraum abtrennt, sowie durch reichen Bilderschmuck und das Fehlen von Bänken in manchen Traditionen. Freikirchen wie Baptisten, Methodisten oder Pfingstgemeinden nutzen oft schlichtere Gemeindehäuser, in denen die Predigt und das gemeinsame Singen im Vordergrund stehen. Altkatholische Gemeinden stehen in katholischer Tradition, haben sich aber organisatorisch von Rom getrennt.

Bei der Suche nach einem Gotteshaus lohnt es sich, auf die Angabe der Konfession und des Trägers zu achten, da äußere Merkmale allein nicht immer eindeutig sind. Eine katholische Kirche erkennt man meist an Tabernakel, Heiligenfiguren, Beichtstuhl und Weihwasser, eine evangelische an der schlichteren Ausstattung und der betonten Kanzel. Namen, Gottesdienstform und Organisationsstruktur liefern weitere Anhaltspunkte, wobei viele alte Kirchen ihre vorreformatorischen Namen bis heute tragen.